[Schreibhandwerk] Korrektur des eigenen Manuskripts

Das Thema Korrektur nimmt einen großen Stellenwert bei der Entstehung des eigenen Romans ein. Gerade, wenn man sein erstes Manuskript zu Ende geschrieben hat und in den Händen hält, taucht eine große Frage auf: Und jetzt?

Jetzt ist die Zeit der Korrekturen gekommen!

Eine Zeit die Dich ebenso fordern wird, wie das Schreiben selbst, aber nicht minder spannend sein muss!

Was gehört dazu? Was ist besonders wichtig? Und gibt es da nicht den einen oder anderen Kniff?

Wenn das genau die Fragen sind, die Du Dir immer schon gestellt hast, erhältst Du in diesem Artikel die Antwort darauf!


Wie oft sollte man das Werk durchgehen?

Einmal. Oder zehn Mal. Vielleicht auch nur drei Mal. Möglicherweise auch fünfzig Mal. Kurz gesagt: es gibt keinen Richtwert. Oder besser gesagt: es gibt einen Richtwert. Nämlich mindestens ein Mal. Nach dem Schreiben des Manuskripts musst Du Dein Werk natürlich nochmals durchackern. Bei talentierten Schriftstellern reicht ein Mal um die groben Schlaglöcher zu begradigen. Aber das muss sein! Bei den Normalen unter uns, ist die Anzahl nach oben offen. Es wird von einigen Faktoren abhängig gemacht:


Was sollte korrigiert werden?

Als Autor musst Du Dich entscheiden, was Du korrigieren möchtest. Und Du solltest bei Deiner Wahl klug vorgehen. Unabhängig davon, wie Du publizieren möchtest.

Gehen wir erst einmal vom Verlagsautor aus. Der typische Verlagsautor bekommt einen Lektor an die Hand. Das bedeutet, der Lektor arbeitet das Manuskript durch, sucht nach Fehlern in der Geschichte (Logik, Plot, etc.) und merzt Rechtschreibfehler/Grammatikfehler aus. Das geschieht meist in mehreren Durchläufen, zwischen denen der Autor die Verbesserungsvorschläge in sein Manuskript einarbeitet.

Das würde an sich bedeuten, der Autor ist mit einem eigenen Durchgang, direkt nach Abschluss des Manuskripts, fertig mit der Arbeit.

Weit gefehlt!

Wer nicht zufällig Rowling oder Tolkien heißt, muss sein Manuskript ja zuvor noch an den Mann (oder die Frau) bringen. Er muss es also wahlweise einem Verlag oder einer Agentur vorlegen. Nach nur einem Durchlauf dürfte das Manuskript aber noch gar nicht so weit sein, dass es beim Verlag/bei der Agentur die nötige Beachtung bekommt. Der Empfänger des Manuskripts wird sich nicht durch die ganze Geschichte arbeiten, bevor er seine Entscheidung fällt. Zumal auch nicht das komplette Manuskript hingeschickt wird, sondern nur die ersten zehn/zwanzig/dreißig Seiten. Fallen hier schon grobe Fehler auf, landet es direkt in der Ablage P(apierkorb).

Es müssen also mehrere Durchläufe her, damit das Werk wirklich gut ist und vorgestellt werden kann. Ein Autor, der nicht professionell arbeitet, erhält auch keine Beachtung.

Beim Selfpublisher wird das Ganze noch ein wenig komplizierter. Hier gibt es keinen Lektor, der bereit steht und sich mit Fragen löchern lässt.

Der Autor ist hier vorerst der eigene Lektor. Er muss sich nicht nur um die Rechtschreibung und die Grammatik kümmern, sondern auch Logikfehler finden, Plotlöcher stopfen und flachen Charakteren das nötige Leben einhauchen.

Man kann sich die Dienstleistung auch einkaufen? Stimmt. Aber die allermeisten Lektoren prüfen erst einmal eine Textprobe um dem Autor dann zu sagen, wie schlimm es um sein Werk steht. Geht der Autor nicht noch ein oder zwei Mal durch seine Geschichte, passiert es ganz schnell, dass der Lektor ein sehr sehr (sehr!!) stolzes Sümmchen für seine Dienstleistung (ob nun Lektorat oder Korrektorat) verlangt. Diese Kosten kann man eindämmen, indem man selbst so viele Fehler behebt, wie es nur geht. Ein Manuskript, das dem Lektor wenig Arbeit abverlangt, kostet entsprechend weniger.

Was sollte also korrigiert werden?

Fassen wir einmal zusammen:

In erster Linie solltest Du Dich als Autor nach der Fertigstellung Deines Manuskriptes nochmals mit der inneren Logik befassen. Hast Du das, was Du schreiben wolltest, auch zu Papier gebracht? Ist Deine Geschichte stimmig? Werden genügend Fragen aufgeworfen um die nötige Spannung zu erzeugen? Und werden diese Fragen hinreichend beantwortet?

Agieren die Charaktere authentisch? Haben sie genug Tiefe, genug Charakter?

Es gibt so viele Fragen die man an ein Manuskript stellen kann.

Eventuell müssen ganze Szenen nochmals umgeschrieben werden. Manche Dialoge erscheinen plötzlich zu gestelzt und manchmal lässt sich ein ganzer Charakter ersatzlos streichen, weil er nur die Seiten füllt, die Geschichte aber gar nicht voran treibt.

Nachdem diese Fragen beantwortet wurden, geht es direkt weiter mit der Rechtschreibung. Grammatik. Zeichensetzung. Satzbau. Stil. Füllwörter. Zu viele Adjektive. Falsche Zeitform. All die kleinen Kleinigkeiten die man selbst viel zu oft überliest. Dabei darf man sich nicht auf Word oder Programme, die den Duden-Korrektor verwenden, blind verlassen. Es sind nun einmal nur Programme. Maschinen. Wenn man nicht aufpasst, bauen sie unbemerkt noch mehr Fehler ein. Oder finden Fehler nicht. Speziell was Word angeht.

Wir sehen also: Es bedarf doch mehr als einen Durchlauf. Sogar mehr als Zwei. Drei sind schon mal ganz gut. Bei Bedarf auch mehr. Das musst Du für Dich selbst entscheiden, es gibt keine Zahl ab der man sagt: jetzt ist es gut. Man muss nach Gefühl gehen.


Wie sollte man korrigieren?

Blöde Frage, denkst Du? Man sollte seinen Text nochmals lesen und ändern, was einem auffällt? Ja, Du hast recht. Diese Aufgabe hört sich allerdings leichter an, als sie tatsächlich ist. Dafür habe ich einige Tipps vorbereitet:

Tipp 1) Liegen lassen

Lass Dein Manuskript liegen. Zwei Wochen. Mindestens. Besser zwei Monate. Vielleicht kannst Du Dich auch schon Deinem nächsten Projekt widmen. Das wichtigste bei der eigenen Korrektur ist nämlich, Abstand zu gewinnen. Du brauchst Abstand zum eigenen Text, zur kompletten Geschichte. Nur so erkennst Du Fehler. Sie muss fremd für Dich werden. Bei fremden Texten ist man als Leser pingeliger. Diesen Effekt wollen wir auch für unseren eigenen Text nutzen. Also erst einmal Finger weg!

Kurzer Einwand: Schreibst Du an Deinem Buch schon ein Jahr, dann könntest Du direkt nach der Fertigstellung, vorne mit der Korrektur beginnen. Die ersten Kapitel sind dann schon so alt, dass Du Dich gar nicht mehr so recht an sie erinnern kannst. Wenn doch: liegen lassen.

Tipp 2) Laut vorlesen

Laut vorlesen. Du. Dir selbst. Ja, richtig. Klingt vielleicht für unsere Mitmenschen eigenartig, aber Dir als Autor nützt es ungemein. Beim Vorlesen hörst Du Stolpersteine sehr deutlich. Fehler kommen richtig aus dem Satz herausgesprungen. Probiere es aus! Gerade für den Lesefluss ist es eine wunderbare Sache.

Tipp 3) Vorlesen lassen

Hier geht es nicht nur darum, es Dir von einem Mitmenschen vorlesen zu lassen. Sondern vom Computer. Wir Menschen neigen dazu, Wörter beim Lesen zu vervollständigen. Es reicht für unser Gehirn oft schon aus, wenn nur der erste und letzte Buchstabe eines Wortes korrekt ist, um es zu verstehen. Probiere es aus:

Desier Staz lsäst scih porbelmlos leesn.

Das können Computer nicht. Sie lesen Dir vor, was Du geschrieben hast. Und stolpern, wenn das Wort nicht korrekt ist. Natürlich werden Dir solche Wörter auch in Word brav rot unterstrichen. Aber so findet sich doch mancher Fehler, den das Schreibprogramm übersehen hat.

Du kannst auch versuchen, Dir den Text von Deinem Freund/Deiner Freundin vorlesen zu lassen. Manchen verhilft das zur nötigen Distanz.

Tipp 4) Von Hinten nach Vorne

Wenn es um Verfremdung geht, darf man diesen Tipp nicht außen vor lassen. Um Schreibfehler aufzudecken, bietet es sich an, sein Manuskript von Hinten nach Vorne zu lesen. Nicht jedes Wort. Aber Satz für Satz, Seite für Seite, Kapitel für Kapitel. Für unser Gehirn wirkt es eigenartig. Es entsteht kein ordentlicher Lesefluss. Aber dafür stoßen wir umso häufiger auf Fehler.

Tipp 5) Ausdrucken

Drucke Dir Deinen Text aus. Oder lasse ihn drucken, wenn der heimische Drucker die riesige Anzahl an Seiten nicht stemmen kann. Der gedruckte Text wirkt plötzlich fremder. Und es lassen sich erstaunlich viele Fehler bei der gedruckten Version finden, die man am Bildschirm gänzlich übersehen hat. Dieser Tipp ist Gold wert, vertraue mir!

Tipp 6) Schreibprogramme mit dem gewissen Extra

Es gibt Word/OpenOffice. Und es gibt DIE Programme, wie z.B. Papyrus Autor oder SoftMaker Office. Solche Programme bieten Dir, neben dem Duden-Korrektor, auch Stilanalysen und eine Beurteilung des Schreibflusses. Satzwiederholungen werden deutlich hervorgehoben, Füllwörter markiert wie reifes Fallobst. Du musst nur noch hingehen und pflücken. Ich selbst nutze Papyrus-Autor und würde definitiv sagen, es ist sein Geld wert. Was das Programm alles bietet, werde ich Dir in einem anderen Blogartikel beizeiten vorstellen. Wenn Du kein Geld in andere Schreibprogramme investieren möchtest, kannst Du Dich auch bei Onkel Google nach Füllwörtersuche und Textanalyse umsehen. Es gibt die eine oder andere Internetseite, die das über ein automatisiertes System anbietet. Kostenfrei versteht sich.

Tipp 7) Schriftart ändern

Um die gewünschte Verfremdung zu erhalten, kannst Du die Schriftart Deines Textes ändern. Dadurch wirkt der Text für das Auge neu. Aber achte darauf, welche Textart Du nimmst! Es gibt proportionale und nicht-proportionale Schriftarten. Die proportionalen Schriftarten (z.B. Times New Roman oder Arial) erleichtern Dir den Lesefluss, da die Buchstaben alle nur den Platz einnehmen, den sie optisch brauchen. Die nicht-proportionalen Schriftarten (z.B. Courier oder Lucida) hingegen erschweren Dir das Lesen, da die Buchstaben alle gleich viel Platz einnehmen, unabhängig ob es ein i oder ein m ist. Dadurch liest Du aufmerksamer!


Wann hat man genug korrigiert?

Die Frage aller Fragen. Und die Antwort ist: dann.

Manche Autoren sprechen von einem Moment, in dem sie ihre innere Ruhe gefunden haben, stolz auf die Blätter vor sich hinunterblicken und sich sicher sind, es geschafft zu haben. Und dann gibt es noch die Normalos. Die sind sich nie sicher. Aber irgendwann ist mal genug. Etwas finden lässt sich auch dann noch, wenn das Buch bei Probelesern war, ein Lektorat hinter sich hat und schlussendlich gedruckt wurde.

Das Wichtigste ist, das Manuskript nicht plötzlich zu verschlimmbessern, durch seinen Korrekturwahn. Und das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass man sein Manuskript einfach nicht mehr leiden kann. Soweit solltest Du es nicht kommen lassen.

Der Fehlerteufel kann sich sowohl bei Selfpublishern als auch bei Verlagsbüchern einschleichen. Sind es nicht zu viele, verzeihen es Dir die Leser.

 

Du siehst also, es ist ein umfängliches Thema. Ich hoffe, die Tipps werden Dir helfen, wenn Du Dich an das Korrigieren deines Manuskripts heranwagst. Das Wichtigste von allem ist aber: Fang einfach an! Alles andere ergibt sich von selbst. Lass Dich nicht von dieser Aufgabe lähmen, nimm sie ernst und investiere genügend Zeit. Es wird sich auf jeden Fall auszahlen!

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