[Rezension] Wédora – Staub und Blut

Bildquelle/Verlag

Verlag: Droemer Knaur

Autor: Markus Heitz

Reihe: Einzeltitel


In Wédora – Staub und Blut entführt Markus Heitz den Leser auf einen abenteuerlichen Ausflug in die gleichnamige Stadt. Die Protagonisten Liothan, ein Halunke mit Gerechtigkeitssinn, und Tomeija, eine rechtschaffene Gesetzeshüterin, werden wider Willen in die Wüstenstadt verschlagen. Dort erleben sie eine grausame und zugleich gerechte Stadt, die mehr als nur ein Geheimnis birgt. Sie landen in Kerkern, werden als Sklaven gehandelt, arbeiten als Geldeintreiber und verschaffen sich den nötigen Respekt in einer Welt, in der sie nicht zuhause sind, sich aber doch in gewisser Weise von ihr angezogen fühlen.


Cover

Das Cover zeigt den großen Turm, der sich inmitten von Wédora erhebt und den Dârèmo, den Herrscher Wédoras, beherbergt. Passend gewählt. Besonders hervorzuheben ist hier allerdings der Untertitel. Mit Staub und Blut hat der Autor den Nagel sprichwörtlich auf den Kopf getroffen. Wédora ist genau das: Ganz viel Staub, vermengt mit unendlich viel Blut. Besser hätte man den Untertitel in diesem Fall nicht treffen können.


Inhalt

Ursprünglich war Wédora für ein Rollenspiel konzipiert worden. Und hier merkt man ganz deutlich, wie viel Mühe sich der Autor mit der Ausarbeitung gemacht hat.
Regelmäßig, am Ende eines jeden Kapitels, erhält der Leser einen Auszug aus der Literatur Wédoras präsentiert und kann dadurch mehr zum Hintergrund der geschichtsträchtigen Stadt erfahren.
Auch erhält der Leser Kartenmaterial und eine Auflistung der wichtigsten Wörter an die Hand. Und dieses Wörterbuch ist auch definitiv notwendig! Die Bewohner Wédoras schmeißen mit Fremdwörtern nur so um sich. Das verleiht dem Ganzen neben einem besonderen Flair leider auch einen unguten Beigeschmack. Gerne hätte ich im ebook zurückgeblättert und nachgeschaut, was das eine oder andere Wort bedeutet. Doch gerade im elektronischen Buch ist es leider etwas nervig hin und her zu blättern, also habe ich es gelassen und mich damit abgefunden, das ich die ein oder andere Bedeutung aus dem Kontext heraus erschließen musste.
Die fein säuberlich ausgearbeitete Welt konnte mich problemlos in seinen Bann ziehen. Die ganze Stadt ist bespickt mit Geheimnissen, die entdeckt werden wollen. Jedes Viertel hat seine eigene Geschichte mit interessanten Bewohnern und eigenen Regeln. Gerne hätte ich dort mehr Zeit gemeinsam mit den Protagonisten verbracht.
Die Geschichte wird aus der Sicht mehrerer Charaktere erzählt, sowohl aus der der Protagonisten als auch aus der einiger (wichtiger) Nebencharaktere. Es mag Leser geben, denen diese Sichtweise zusagt, mir allerdings weniger.
Die (sehr sympathischen) Protagonisten, Liothan und Tomeija, geraten im Verlauf der Geschichte von einer Schei*e in die Nächste. Sie landen in Gefangenschaft, können sich befreien, werden aber direkt wieder belagert, verprügelt, gejagt. Und das über mehrere hundert Seiten hindurch. Schlussendlich decken sie eine Verschwörung auf und retten (natürlich) die Welt. Welche Welt, ob nun ihre eigenen oder Wédora, musst Du allerdings selbst heraus finden 😉

[Spoiler Anfang]
Der Autor hat im Laufe der Geschichte sehr viele Fragen aufgeworfen, aber bei weitem nicht alle beantwortet. So hilft Tomeija beispielsweise einem Mädchen auf einer Krankenstation. Das ebnet ihr im weiteren Verlauf der Geschichte zwar den Weg, ist für mich aber in diesem Moment etwas befremdlich gewesen. Ich dachte mir nur: Meine Güte, du bist auf der Flucht. Sieh zu, dass du weg kommst und fang nicht an, eine Wunde zu säubern.
Weiterhin erhalten die Angitila eine große Bedeutung, dadurch das sie plötzlich sprechen. Das wird aber kein zweites Mal in der gesamten Erzählung aufgegriffen. Leider.
Ähnlich ergeht es Durûs‘ Bruder, der ebenfalls nur ein Mal vorkommt. Dabei hätte gerade ihm eine viel größere Rolle zuteil werden sollen.
Ebenso erfährt Liothan, dass es eventuell sogar einen Weg gibt, ganz bewusst zwischen den Welten zu reisen. Ich hätte mich gefreut, wenn Liothan mehr aus seinen Künsten gemacht hätte.
Das Ende hat mir leider so gar nicht zugesagt. Ich fühlte mich leicht vor den Kopf gestoßen, als ich gelesen habe, dass die beiden Protagonisten bloß mit einem Schlafzauber belegt wurden, kurze Zeit später wieder erwachten und damit alles gut war. Es folgten keine Fragen, kein sehnsüchtiges Zurückblicken, auf ihr vermeintlich gerade erloschenes Leben in der anderen Welt. Sie standen auf und es war gut damit. Schade, so habe ich mir das Ende nicht vorgestellt.
[Spoiler Ende]


Handwerk

Markus Heitz hat es geschafft, die Spannung durch die ganze Geschichte hindurch, stets hoch zu halten. Das gelang ihm dadurch, dass er dem Leser in regelmäßigen Abständen Kekse in die Hand gedrückt hat, ihn also quasi für das Lesen, mit neuen interessanten Entdeckungen und Entwicklungen, belohnt hat. Auch arbeitete Heitz hier sehr oft mit Cliffhangern. Nahezu jedes Kapitel endete an einer unfassbar interessanten Stelle und ich musste das Buch einfach weiter lesen um zu erfahren, wie die Situation ausging. Auch hat der Autor den Charakter Liothan durch seine Platzangst sehr menschlich und nachvollziehbar werden lassen. Solche Schwächen machen einen Charakter glaubwürdiger.


Fazit

Das Buch beschreibt eine wundersame Welt, die man bereist haben sollte. Es wird viel erzählt und vieles leider auch ausgelassen. Ich hätte mir für die beiden Protagonisten vielleicht eine Gefangennahme weniger erhofft, dafür mehr Antworten auf die aufgeworfenen Fragen. Und ein anderes Ende. Mir scheint, dass Markus Heitz mehr erzählen wollte, die Seiten aber nicht ausgereicht haben. Das hätte problemlos ein 800-Seiten-Schinken werden können, wenn er jedem Geheimnis nachgegangen wäre. Ich würde mir daher einen zweiten Teil wünschen. Alles in allem hat mich das Buch gut unterhalten und auch fesseln können. Ich habe die Reise durch Wédora allerdings nicht mit einem guten Gefühl abschließen können.

sternsternsternstern0stern0

2 Gedanken zu „[Rezension] Wédora – Staub und Blut

    • Hallo Lisa,

      ich würde das Buch, trotz der genannten Schwächen, empfehlen. Es macht Spaß sich mit den Protagonisten durch die Welt zu bewegen. Und wenn dir die Bücher von Markus Heitz sowieso gefallen, wird es auch Wédora tun.
      🙂

      LG,
      Irina

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.