[Rezension] Aschenkindel – Das wahre Märchen

Bildquelle/Verlag

Verlag: Selfpublishing

Autor: Halo Summer

Reihe: Einzeltitel


Aschenkindel erzählt die Geschichte von Claerie, einem Mädchen, dass bei ihrer Stiefmutter lebt und die komplette Hausarbeit zu erledigen hat. Claerie wird von ihrer Stiefmutter getriezt und gehetzt, von den Stiefschwestern ausgelacht und verhöhnt.
Ihre gute Fee, die ihr zur Seite stehen und sie in allen Belangen unterstützen soll, entpuppt sich als unfähig und tollpatschig. Doch das alles kann Claeries Gemütszustand nicht trüben. Und anders, als in Aschenputtel, möchte sie auch gar nicht erst auf dem königlichen Ball auftauchen.
Doch Claeries Welt wird, durch eine zufällige Begegnung mit einem jungen Mann, aus den Fugen gebracht. Ab hier nimmt die Geschichte einen unerwarteten Verlauf und hebt sich vom alten Märchen deutlich ab. Eine Zeit voller Liebe, Verlust und Angst beginnt für die junge Protagonistin und am Ende ist sogar ihre geliebte Heimat in Gefahr.


Cover

Das Buch ist mir zuvor mehrfach auf Amazon begegnet und hat meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Weniger durch den Titel – denn eigentlich hat mich die Vorstellung einer „Märchen-Nacherzählung“ abgeschreckt – mehr durch das hübsche Cover. Es ist schlicht, aber professionell gestaltet und zeigt die Protagonistin. Es ist ein modernes neues Gewand für ein altes Märchen.


Inhalt

Wie oben bereits erwähnt, hatte ich eigentlich kein Interesse an Märchen-Nacherzählungen. Auch wenn jede Geschichte aus dem Mund eines anderen, oder besser gesagt, mit den Worten eines anderen Autoren, auch anders erzählt wird. Aber Aschenputtel kennt man und ich war der festen Überzeugung, dass dort nichts mehr herauszuholen ist. Doch ich hatte weit gefehlt.
Aschenkindel ist alles andere als eine plumpe Nacherzählung. Es überzeugt mit einem sehr schönen Erzählstil und jeder Menge Humor.

Geschrieben ist die Geschichte aus der Ich-Perspektive der Protagonistin, und zwar so, als wäre man hautnah dabei.
Die Autorin hat teilweise eine saloppe Art zu erzählen, die dem Buch seinen ganz eigenen Charme verleiht. Sowohl die Namen der Stiefschwestern („Etzi“ und „Kanickla“) als auch die Bezeichnungen für z.b. Bürgerinitiativen („Brot-statt-Kuchen“ und „Orden der Wohltätigen Weichen Seelen“) sind gut durchdacht und clever ausgesucht.

Die Charaktere sind alle sehr sympathisch und man fühlt sich, als Leser, sofort mit der Protagonistin verbunden. Selbst die gemeinen Stiefschwestern waren mir durch ihre Charakterzüge sofort positiv aufgefallen. Die Autorin hat allen Charakteren ihr ganz eigenes Leben und ihren ganz eigenen Charakter verliehen und ihnen dadurch eine große Bedeutung zukommen lassen.

Die Welt, in der Aschenkindel (und andere Bücher der Autorin) spielt, ist sehr detailreich und liebevoll gestaltet und wartet mit zahlreichen Fantasiewesen, von Nymphen über Feen bis hin zu Vampiren, auf. Das bewegt mich sogar dazu, mir auch die anderen Bücher von Halo Summer anzusehen, denn hier ist definitiv großes Potential vorhanden.

Im Verlauf des Romans verliert sich der Humor stellenweise und gibt der Geschichte Platz sich in aller Ernsthaftigkeit zu entfalten. Dadurch erlebt man als Leser auch, dass das Buch nicht als Komödie gedacht ist und dass die Autorin die Geschichte nicht ins Lächerliche ziehen wollte. Denn Summer überbringt nach wie vor eine ernstgemeinte Botschaft mit ihrem Roman.

Zum Ende des Buches verläuft die Geschichte in mehreren Zeitsprüngen. So verhindert die Autorin aber ganz eindeutig langatmige Passagen, in denen nichts Bedeutungsvolles passiert, und fokussiert sich auf die wichtigen Szenen.


Handwerk

Halo Summer hat ihr Buch im Präsens geschrieben. Das kommt seltener vor, hat dem Ganzen aber eine sehr persönliche Note verpasst. Man ist mitten drin im Geschehen. Der Leser hat es hier nicht mit einer Erinnerung zu tun, die erzählt wird, sondern erlebt die Geschichte hautnah.
Schade fand ich allerdings, dass der Lindwurm Löwenherz zwar oft erwähnt wurde, aber schlussendlich doch keine Rolle gespielt hat. Auch die gute Fee wurde, ab etwa der Hälfte des Buches, nur noch erwähnt, tauchte aber selbst gar nicht mehr wirklich auf.


Fazit

Die Geschichte hat zurecht 5 von 5 Sternen verdient, sie ist von vorne bis hinten spannend und liebevoll geschrieben. Das ursprüngliche Märchen dient hier lediglich als Gerüst und nimmt nicht zu viel Platz in der eigentlichen Erzählung ein. Ich habe leichte Kost für einen Leseabend gesucht und bin bei einem unglaublich guten Buch gelandet, dass mich selbst in vielerlei Hinsicht positiv überrascht hat. Ich kann es jedem empfehlen, der eine schöne Liebesgeschichte in einem zarten Aschenputtel-Mantel lesen möchte.

sternsternsternsternstern

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